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Gedenken an die Opfer des Holocaust in Werder am 27.1.20

Am 27. Januar vor 75 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch sowjetische Soldaten befreit. Das Aktionsbündnis „Weltoffenes Werder“ bereitet gemeinsam mit vielen weiteren Organisationen, Parteien und Personen aus diesem Anlass in Werder ein würdiges Gedenken vor.
Im Oktober 2014 verlegte der Bildhauer Gunter Demnig in Werder an vier Plätzen acht Stolpersteine. Sie erinnern an individuelle Lebens- und Leidenswege von Menschen, die in Zeiten der Nazi-Herrschaft aufgrund ihrer Religion, „Rasse“, Herkunft, sexuellen Orientierung oder politischen Gesinnung ihres Lebens beraubt wurden.
Für einige der Opfer aus Werder führte der Leidensweg nach Auschwitz in das Vernichtungslager.
An diesen Stolpersteinen wollen wir am 27. Januar 2020, 75 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz, dieser Opfer gedenken und daran erinnern, wozu Hass, Ausgrenzung und Rassismus schon einmal in unserem Land geführt haben. Es soll uns Mahnung sein, allen Anzeichen einer Wiederholung entgegenzutreten und denen, die verharmlosen und beschönigen, keinen Raum zu lassen.
Dazu gibt es am 27. Januar 2020 Gedenken an den Stolpersteinen
– Um 9.30 Uhr in Glindow vor Klaistower Straße 68
– um 10.30 Uhr in Werder in der Torstraße 3 (vor Cafe Jakob)
– um 12.30 Uhr Im Anschluss daran wird im Kino Scala der Film „Shoah von Claude Lanzmann in Auszügen gezeigt, erläutert von Hartmut Röhn vom Arbeitskreis Jüdische Schicksale.
– Um 15.30 Uhr werden wir uns dem Gedenken anschließen, das am Mahnmal der „Opfer des Faschismus“ und an dem für die gefallenen sowjetischen Soldaten auf dem Friedhof in der Kemnitzerstraße in Werder stattfindet.

Voraussichtlich können wir einen Nachfahren eines der Opfer, Herrn Olschowski, dessen Familie bis 1938 in der Brandenburger Straße 20 wohnte, begrüßen.
In der Torstraße werden neben anderen Frau Bürgermeisterin Saß, Frau Pfarrerin Paetel und Herr Thiele für die „Gruppe Stolpersteine“ sprechen, in Glindow der Ortsvorsteher Herr Wilhelm
Die musikalische Umrahmung bringen Schülerinnen und Lehrerinnen der Waldorfschule Werder dar.

5.9. Inselrundgang – Jüdische Verfolgtenschicksale in der NS-Zeit

Die Arbeitsgruppe “Erinnern und Bewahren – Werderaner Verfolgtenschicksale in der NS-Zeit” wird im Rahmen der “Aktionswoche für ein weltoffenes Werder” einen Rundgang über die Werderinsel anbieten, der zu den Wohnungen und Häusern ehemaliger jüdischer Einwohner führt (Am Mühlenberg, Marktplatz, Torstraße). Erinnert wird dabei an die Schicksale von Menschen, die zwischen 1920 und 1943 in der Inselstadt lebten und während der Naziherrschaft in die Emigration oder in den Tod getrieben wurden.

Termin: Mittwoch, 5. 9. 2018, 19 Uhr, Dauer ca. 1 ½ h
Treffpunkt: Stadtplan vor der Inselbrücke

Hinweisen möchten wir darauf, dass im Scala  vor unserem Rundgang am 5.9. um 17 Uhr der sehenswerte Dokumentarfilm ‚Lebenszeichen – Judischsein in Berlin‚ im Rahmen der Filmwoche „WELToffen“ gezeigt wird.

Das ehemalige Kaufhaus Jacob, Torstraße 185, heute Nr. 3: „Café Jacob“.

Besuch von Frau Dorothy Graff und Herrn Felix Wyss aus Melbourne (30.6.2017)

Ein Gruppenbild vor dem Cafe Jacob auf der Inselstadt, aufgenommen am 30. Juni diesen Jahres: in der Mitte ein älteres Paar, möglicherweise auf Urlaub. Aber warum gerät den Herren und der Dame, die das Paar einrahmen, das Lächeln auf den Mienen so, als wüssten sie nicht Recht, ob Lächeln am Platze sei ?

Die Szene zeigt den Besuch von Frau Dorothy Graff und Herrn Felix Wyss aus Melbourne (Australien). Sie waren zu Gast bei der Werderaner Gruppe „Erinnern und Bewahren“, die letztes Jahr das Gedenkbuch „Jüdische Schicksale“ für Werder herausgegeben hatte. Darin ist auch das Schicksal der Familie Max Jacob dokumentiert.

Max Jacob hatte im Gebäude des heutigen Cafe Jacob sein Kaufhaus betrieben, bis sein Ladengeschäft beim Novemberpogrom 1938 verwüstet wurde und er das Geschäft aufgeben musste. Max Jacob wurde im Zuge der Shoa umgebracht, wie seine drei Kinder Käthe, Hans und Kurt, sowie vier seiner Geschwister, – Leo, Julius, Sali und Rosa.

Einzig Blanca Graff, eine Schwester von Max Jacob, hat die Verfolgung überlebt. Sie war mit ihrem Mann Benno Graff 1943 von Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert worden. Benno Graff ist dort im Herbst 1944 verhungert. Blanca Graff konnte im Februar 1945
Theresienstadt mit dem Zug in Richtung Schweiz verlassen. Diese Aktion war von der Union Orthodoxer Rabbiner in den USA und Kanada über einen Schweizer Vermittler mit Heinrich Himmler ausgehandelt worden. Sie stand in Zusammenhang mit dem Versuch der SS, unmittelbar vor der Niederlage des faschistischen Deutschland für die Freilassung der noch im deutschen Machtbereich lebenden Juden Lösegeld zu erpressen.

Dorothy Graff ist die Enkelin von Blanca Graff, also eine Großnichte von Max Jacob. Ihre Eltern konnten im Februar 1939 nach Australien auswandern. Eine wahrhaft denkwürdige Begegnung also, für deren Zustandekommen die Gäste wie die Gastgeber ihren Dank ausgesprochen haben; sie war für beide Seiten eine Freude.

Heinz Burghardt
9.7.17